Ein Wochenende Frühjahrsputz

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„Auf den ersten Blick sah alles eigentlich recht ordentlich aus“, meinte eine der freiwilligen Helfer in den Credneranlagen – und doch wuchs der Müllberg, den Ehrenamtliche von Greenpeace, dem NABU und Greifswalder Büger*innen am Wochenende in einer gemeinsamen Ufer-Säuberungsaktion auftürmten, auf rund 800 Kilogramm. Am Samstag und Sonntag hatten sie das Ufer des Rycks entlang des Treidelpfades sowie die Credneranlagen am Tierpark vom Müll befreit. Damit wollen die Umweltschützer auf die katastrophalen Folgen der Vermüllung für die Meere, seine Bewohner und letztlich uns selbst, aber auch auf das Handlungsdefizit von Politik und Industrie aufmerksam machen.

Zu den kuriosesten und auch erschreckendsten Funden gehörten ein Stapel Staubsauger, ein bis auf das Licht funktionsfähiges Fahrrad und ein Paar Skier, sowie eine Sexpuppe, die leider einziger Fokus der lokalen Berichterstattung wurde. Die Müllfunde wurden an beiden Tagen zu Ende der Sammelaktion präsentiert und schließlich fachgerecht entsorgt. Die Hälfte des gesammelten Mülls waren Plastikteile, darunter viele Lebensmittel- und Fast-Food-Verpackungen sowie Plastikflaschen.

An beiden Tagen kamen jeweils über 20 tatkräftige Helfer*innen, um die Sammelaktion zu unterstützen. Alle Sammler hatten sichtlich Spaß an der Arbeit und einige waren so empört über den vielen Müll, dass sie sich vornahmen, in Zukunft öfter selbst Müll sammeln zu gehen. Am Sonntag wurde trotz Nieselregen fleißig gesammelt und zur Motivation war die Foodsharing-Gruppe Greifswald mit einem kostenlosen Buffet an geretteten Lebensmitteln vor Ort. In lockerer Atmosphäre beim Essen tauschten sich die Sammler rege aus über foodscharing, die Greifswald und seinen Müll und wie man Plastik sparen kann.

Unter dem Motto „Welle machen für saubere Meere – Gemeinsam gegen Plastikmüll“ beteiligten sich Umweltschützer in 65 Städten an dem von Greenpeace veranstalteten bundeweiten Aktionstag. Hintergrund ist die dramatische Menge an Plastikmüll in den Meeren: Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle gelangen jedes Jahr weltweit alleine von Land aus ins Meer. Dort werden Plastikteile zur tödlichen Falle für viele Meereslebewesen wie Seevögel, Schildkröten oder Delfine: Diese verheddern sich darin und ertrinken – oder verwechseln sie mit Nahrung. Auch im Magen eines der kürzlich an der Nordseeküste gestrandeten Pottwale fanden Wissenschaftler ein Fischernetz. Mit vielerlei Aktionen und Informationen widmet sich der NABU seit mehreren Jahren dem Thema „Plastik“, unter anderem in dem Projekt „Fishing for Litter“.

Viel Plastikmüll kommt von hohem Plastikkonsum: In keinem anderen Land der EU verbrauchen die Menschen so viel Plastik wie in Deutschland. Mehr als die Hälfte dieses Mülls wird jedoch verbrannt, trotz gelber Tonne. Hier besteht dringender Handlungsbedarf in der Politik, die Anreize für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft und zur Vermeidung von Abfällen geben muss. Zwar soll nun endlich die Recyclingquote erhöht werden, die bisher bei 42 Prozent lag, doch auch die geplanten 50 Prozent (ab 2020 55 Prozent) sind noch zu wenig. Die Anforderungen an recyclingfreundliche Verpackungen und wertstoffhaltige Nicht-Verpackungen sind schwach formuliert und es ist völlig unklar, warum Hersteller und Handel sich bei der Lizenzierung ihrer Verpackungen und Produkte aus Kunststoff und Metall selbst kontrollieren sollen. Unsere Produkte müssen ressourceneffizienter und langlebiger werden.

Doch auch wir Verbraucher*innen können unseren Teil beitragen:

✗  Plastik vermeiden: weniger Verpackung kaufen, Einkaufstasche statt Tüte, langlebigen Kaffeebecher  mitnehmen.

✗  Plastik mehrfach benutzen, mehr Dinge reparieren, weiterverwenden, recyceln, Anschaffungen mit anderen Menschen teilen.

✗  Plastik in der gelben Tonne oder im gelben Sack entsorgen, bewusst trennen.

- und ab und zu Müll aufsammeln.

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